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Leises Ticken der Schachuhren erfüllt den Raum. Unentwegt und voller Konzentration tasten forschende Augenpaare je 64 Felder ab, auf denen die verschiedensten Figurenmuster kombinativen Beziehungsgeflechten angehören, die unter taktischen, positionellen oder strategischen Gesichtspunkten wirksam werden können.

schach Hinter der äußeren Fassade ruhiger Gesichter und des überlegten Agierens finden jedoch hochintensive innere Monologe der folgenden Art statt:

Warum hat er Turm d2 gespielt? Gut, er hat jetzt seine Türme auf der d-Linie verdoppelt - aber Schach auf d8 kann ich mit Turmtausch beantworten und mein König entkommt allen weiteren Schachs auf h7, versteckt hinter meinem zweiten Turm. Aber meine Dame „hängt" auf h4, Vorsicht!! Damentausch würde mir aber gar nicht passen, dann ist die Luft raus aus der Stellung.

Oh, je, meine Zeit verrinnt. Mein Gegner hat noch 6 Minuten mehr als ich; ich muss bald eine Entscheidung treffen...

Halt, sein König steht auf h1 und hat keine Felder! Mein Turm auf g6 steht sehr aktiv. Was ist mit dem Läuferschach und - Opfer auf g2? Er muss mit dem Turm meinen Läufer schlagen, dann gebe ich Springerschach auf g3 ;wieder ist er gezwungen zu schlagen, mein f-Bauer schlägt auf g3 zurück und er kann das Matt nach g2 nicht mehr verhindern. Ob das wirklich funktioniert? Ich muss das nochmals durchrechnen.

Was macht meine Zeit? Oh, Gott, wenn ich einen guten Gegenzug übersehen habe, verliere ich zumindest auf Zeit. Aber wenn das funktioniert brauche ich keine Zeit mehr. Also, ganz ruhig nochmals genau rechnen und dann spiele ich Läufer g2 Schach; den Punkt an meinem Brett könnte die Mannschaft gut brauchen...

So oder so ähnlich laufen während eines ernsthaften Schachspiels Gedanken- und Entscheidungsprozesse ab. Dabei werden hochkomplexe, kognitive Anforderungen gestellt. So zum Beispiel die dynamisch-prozessuale imaginäre Umstrukturierung einer Schachfigurenkonstellation, dann deren analytisch geleitete Beurteilung nach optimierenden, logischen Gesichtspunkten im Sinne taktischer, positioneller und strategischer Perspektiven und das alles in einem vorgegebenen Zeitrahmen.

Ständig müssen Entscheidungen getroffen werden, die nicht umkehrbar sind.

Genau dieses Erscheinungsbild enthält somit ein hohes Potential an Handlungsverantwortung und das um so mehr, als man in einer Mannschaft Schach spielt.

Natürlich erfindet niemand das Schachspiel neu und so gehört auch ein hohes Maß an Lernbereitschaft, vor allem auf dem weiten, schier unendlichen Feld der Eröffnungen und auch der Endspiele zur Charakteristik des Schachspiels hinzu.

Schachspielen durchläuft im menschlichen Tun einen sich ständig auffordernden Prozess, der über sich selber hinausweist und dabei Wissen, Logik, Intuition, Kreativität und Konzentration mit den zugehörigen charakterlichen und psychischen Elementen verbindet.

Allein diese kurzen Bemerkungen über Schach lassen erkennen, worin sein besonderer lernpsychologischer und schulpädagogischer Wert liegt. In dem aktuellen Curriculum tauchen zum Beispiel obige Begriffe und Anforderungsbereiche in den verschiedensten Zusammenhängen auf. In deutschen Schulen wird Schach fast ausschließlich in der Organisationsform der AG angeboten und erfreut sich immer größerer Beliebtheit, was an den steigenden Teilnehmerzahlen bei den regionalen und überregionalen Schulschachmeisterschaften in den verschiedenen Altersgruppen ablesbar ist.

Am Städtischen Gymnasium Herzogenrath wurde 1990 eine Schach-AG ins Leben gerufen, die dann schon sehr bald vom Förderverein mit erstem Spielmaterial und einigen Schachbüchern unterstützt wurde. Bald kamen Schachuhren, ein Magnetdemobrett, weitere Figurensätze und Schachliteratur hinzu. Somit können sowohl die wichtigen Einzelanalysen als auch spannende Mannschaftskämpfe durchgeführt werden.

Wichtige Förderungsimpulse gehen sicherlich nicht nur von der dem Förderverein bewussten schulpädagogischen Relevanz des Schachspiels für Kinder und Jugendliche aus, sondern auch von dem Erfolg, den die Schach-AG seit ihrem Bestehen vorweisen kann.

In den vergangenen 10 Jahren errangen die verschiedenen Schachmannschaften des Städtischen Gymnasiums viele Meistertitel und hervorragende Platzierungen. Ingesamt brachten sie es auf 16 Kreismeistertitel; dreimal wurden sie Regierungsbezirksmeister, eine Vizemeisterschaft und ein dritter Platz auf dieser Bezirksebene gehören ebenso zu dieser Erfolgsbilanz. Ganz besondere Erfolge kamen hinzu. 1992 wurde eine Schulschachmannschaft des Städtischen Gymnasiums zunächst Nordrhein-Meister und schließlich Landesvizemeister in NRW. Dieser er- .. staunliche Erfolg der Schach-AG konnte sogar 1994 mit der gleichen Titelfolge wiederholt werden. 1997 und 1999 wurden die bisherigen Erfolge nochmals übertroffen; die Herzogenrather Schachspieler wurden NRW-Landessieger und hatten die Ehre, das Land Nordrhein-Westfalen bei den Deutschen Schulschachmeisterschaften zu vertreten, wobei der Förderverein einen großzügigen Unkostenbeitrag beisteuerte. Mit einem 7. bzw. 4. Platz gelang den jungen Spielern auch auf dieser höchsten Ebene, ihr schachliches Können in eindrucksvoller Weise unter Beweis zu stellen. Das stellt somit den absoluten Höhepunkt seit dem Bestehen der Schach-AG dar.

Weiterhin nahmen unsere Schachspieler an den Schulcupmeisterschaften teil, jeweils ein Tagesturnier, das zuletzt in Köln mit einer Beteiligung von 1500 Schachspielern aus ganz Deutschland durchgeführt wurde. Bei diesem Turnier belegten unsere beiden beteiligten Mannschaften einen z. und einen 3. Platz. 1998 landete eine Herzogenrather Mannschaft im gleichen Wettbewerb auf den 4. und 1997 eine andere Mannschaft auf den 5. Platz.

Auch im neuen Jahrtausend konnte die Schach-AG ihre Erfolge fortsetzen. Eine Mannschaft wurde bereits NRW-Vizemeister, eine andere wird Ende März um den begehrten Landestitel kämpfen, mit der Hoffnung, sich für das Bundesfinale qualifizieren zu können.

In der Schach-AG befinden sich natürlich auch Schülerinnen und Schüler, die nicht unbedingt wettkampfmäßig Schachspielen wollen, sondern nur aus Spaß an diesem großartigen Spiel einfach ihre Kenntnisse rein spielerisch in einer Gemeinschaft erweitern wollen.

Die wohldosierte Nutzung und Unterstützung durch Computerprogramme im Bereich des schachlichen Lernens und Übens wurde schon in der Vergangenheit in der AG gepflegt und sollte im Zuge der allgemeinen Entwicklung weiter ausgebaut werden, ohne dabei die personale Perspektive aus dem Auge zu verlieren.

Maria Montessori würde bei der Beobachtung von jungen Schachspielern, die oft über einen Zeitraum von mehreren Stunden ihre Umwelt vergessen, ihre Theorie vom „Phänomen der Polarisation der Aufmerksamkeit" in besonderer Weise bestätigt finden. Die Bedeutung der Förderung eines so wertvollen Wirk- und Erfahrungsbereichs junger Menschen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

 

<text by: Bodo Baluch, ehemaliger Lehrer unserer Schule / anläßlich der Jubiläuumsausgabe unseres Gymnasiums>

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