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Die Oberstufe unseres Gymnasiums

Die Frage, warum man die gymnasiale Oberstufe besucht, wird erfahrungsgemäß nicht dort beantwortet, wo sie gestellt wird. Mit dem Auftrag, die Schülerinnen und Schüler auf künftige an sie gestellte Anforderungen entweder in einem Hochschulstudium oder in einer anschließenden Berufsausbildung vorzubereiten, entscheidet die Schule nicht allein über ihren Sinn und Zweck.

Auf ein Leben in einer Welt vorzubereiten, die sich ständig schneller und gründlicher verändert und die es heute so noch gar nicht gibt, macht die besonderen Schwierigkeiten deutlich, diesem Auftrag gerecht zu werden. Durch Änderungen der Ausbildungs- und Prüfungsordnungen, Richtlinien und Lehrpläne wurde immer wieder versucht, sich den veränderten Bedingungen anzupassen und dem gesteckten Ziel näher zu kommen.

Bei allen Veränderungen wurde von der bewährten Grundorientierung der gymnasialen Oberstufe nie abgerückt. Eine vertiefte allgemeine Bildung, eine wissenschaftspropädeutische Grundbildung und soziale Kompetenzen erweisen sich auch heute uneingeschränkt als zukunftsweisend.

Wie trägt unsere Oberstufe im besonderen dazu bei, die gesteckten Ziele zu erreichen? Wie beziehen wir die vielfältigen Erwartungen von Schülerinnen und Schülern, von Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrern an die gymnasiale Oberstufe mit ein?

Wir gehen in unserer Oberstufe über die curricularen Vorgaben, die fachspezifischen und fächerübergreifenden Koordinationen und Kooperationen hinaus.

Neben dem unterrichtlichen hat sich daher auch ein umfassendes außerunterrichtliches Angebot herausgebildet, das begleitend zur Ausgestaltung des Erziehungs- und Bildungsauftrages beiträgt.

Mitgestaltung an der Schullaufbahn unter bestimmten Bedingungen, Hilfestellung zum Aufbau förderlicher Lernstrategien und Lerntechniken, zur Entwicklung von Berufsperspektiven und zur persönlichen Entfaltung setzten umfassende Information und intensive Beratung voraus. Diese sind integraler Bestandteil und begleiten die gesamte Oberstufe auch im Hinblick auf eine Verzahnung von unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Angeboten.

Das Orientierungsseminar, die Berufsberatung mit Berufserkundungswoche, die Uni-Tage und die Studienfahrten sind durch die Schulkonferenz festgeschriebene zusätzliche Angebote, deren inhaltliche Ausgestaltung nicht statisch ist, sondern einen bis heute auf die Personen der Schülerinnen und Schüler bezogenen dynamischen Prozess darstellt.

In der nachfolgenden Abbildung wird die organisatorische und inhaltliche Struktur von unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Veranstaltungen mit der begleitenden Information und Beratung in einem kurzen Überblick deutlich.

Jgst.

Außerunterrichtliche Veranstaltungen

Unterrichtliche Veranstaltungen

Information und Beratung

11

Orientierungsseminar

Laufbahnberatung:

Erstellung der Laufbahn unter formalen und schulspezifischen Gesichtspunkten 

Lernberatung: 

Lernbiologie, Motivation und Mitarbeit, Informationsverarbeitung, Textproduktion, formale Anforderungen an die Facharbeit 

Jahrgangsorientierung: 

Entwicklung gemeinsamer Ziele, Erörterung zur Lösung gemeinsamer Sorgen und Probleme

 

Unterrichtsbezogene Unternehmungen  und Projekte

 

Informationen der Jahrgangsstufe 10 über die gymnasiale Oberstufe

Information über Grund- und Leistungskurswahlen zu Beginn des 2. Halbjahres

Ständige Laufbahnberatung

Information über Qualifikationsphase, Zulassungsbedingungen zur Abiturprüfung

12

Berufserkundung

Einblicke in die Berufswelt

Berufsberatung:

In Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt: Wege nach dem Abitur, Berufsfelder, Berufsperspektiven

 

Unterrichtsbezogene Unternehmungen und Projekte

Theater- und Literaturkurse

Ständige Laufbahnberatung

Informationen über Fachhochschulreife

Berufsperspektiven

Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich?

13

Unitage

Einblicke in Studiengänge und Hochschulleben

Unterrichtsbezogene Unternehmungen und Projekte

Ständige Laufbahnberatung

Informationen zur Abiturprüfung

An zwei ausgewählten Beispielen wird die außerunterrichtliche Arbeit in der Oberstufe deutlich:

I. Das Orientierungsseminar

Das Orientierungsseminar ist das Basisseminar für die Oberstufe. Es ist zeitlich vor der anstehenden Wahl der Leistungskurse im dritten Quartal der Jahrgangsstufe 11 eingeordnet.

In einem langjährigen Entwicklungsprozess, in dem auch Wünsche und Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler immer wieder einfließen konnten, haben sich drei Schwerpunkte des Seminars herausgebildet:

  • Laufbahnberatung
  • Lernberatung
  • Jahrgangsorientierung

1. Laufbahnberatung (LB)

Mit der Wahl der Leistungskurse und der weiteren Grundkurse beginnt für die Schülerinnen und Schüler die entscheidende Phase der Schullaufbahn in der Oberstufe

Die für Schüler/innen und Eltern durchgeführte Informationsveranstaltung gibt einen ersten Überblick über die vielfältigen Wahlmöglichkeiten an unserer Schule. Sie reicht jedoch nicht aus, die vielen individuellen mit der Schullaufbahn verbundenen Fragen zu beantworten.

Die auf die einzelne Person des Schülers und der Schülerin bezogene Laufbahnberatung hat daher das Ziel, die komplexen Zusammenhänge auch in ihren Auswirkungen und Problemen aufzuzeigen, um so bei einer fundierten Wahlentscheidung behilflich zu sein, die es ermöglicht, eine Schullaufbahn unter formalen, individuellen und schulspezifischen Gesichtspunkten zu erstellen.

2. Lernberatung

Die Methodenkompetenz vieler Schülerinnen und Schüler wird oftmals mit dem Eintritt in die Oberstufe als noch nicht zufriedenstellend beurteilt. Lern-, Leistungs- und Motivationsprobleme sind häufig die Folge.

Die Lernberatung strebt daher an, die bei den Schülerinnen und Schülern bereits bekannten elementaren Lern-, Arbeits-, Kommunikations- und Kooperationstechniken durch geeignete Übungen zu reaktivieren, sie gleichzeitig aber auch mit neuen Techniken vertraut zu machen, um so Hilfen für ein routiniertes, eigenständiges Lernen zu geben.

Die nachfolgende Abbildung gibt einen Überblick über die Inhalte der einzelnen Themenschwerpunkte

  • Lernbiologie (LB)

  • Motivation und Mitarbeit (MM)

  • Informationsverarbeitung und Textproduktion (IT)

  • Kommunikation und Kooperation (KO)

Lernbiologie

Motivation und Mitarbeit

  1. Bio-Computer Gehirn, Entwicklung und Lateralität (Video)

  2. Intelligenzschwerpunkte und Lerntypen, Lerntypentest, Mehrweglernen

  3. Gedächtnis, Stufenmodell, Vergessenskurve, Memoriersysteme

  4. Stress-Entstehung und Vermeidung, Konzentration und Entspannung

  5. Kinesiologie
  1. Motivationsanalyse, Selbsterkundung

  2. Selbstmotivation, Interessenanknüpfung, Fragetraining, Übung zum syst. Fragen im Unterricht, Fragestellungen systematisch

  3. Stellung beziehen, Sprechdenken, R.A.B.E., sich exponieren üben

  4. Informationssicherung, Heftführung, Übung zu Mitschrift und Merken

Informationsverarbeitung, Textproduktion

Kommunikation und Kooperation

  1. Lesetechnik, rationelles Lesen, Analyse, gezieltes und kritisches Lesen

  2. Von der Gliederung zum Text, Schreibpläne, Schreibgerüste

  3. Mind-Mapping / Clustering, 7-Schritt-Methode, Regeln, Tipps, Übungen: Begriffshierarchien, Vokabeln, Lernstoff und Texte, Aufsätze, Referate

  1. Selbst- und Fremdwahrnehmung, Übung: 7 Fragen, Übung: Meine Normen, Deine Normen

  2. Kommunikationstheorie (Schulz v. Thun), Sachinhalt: Worüber ich informiere. Selbstkundgabe: Was ich von mir...  Beziehung zum anderen: Wie wir...  Appell: Wozu ich Dich...

3. Jahrgangsorientierung

Durch die Auflösung des alten Klassenverbandes hat sich der Lern- und Lebensraum Schule gegenüber früheren Schuljahren grundlegend verändert.

Eine andere Sozialform des Lernens im Kurssystem statt im Klassenverband eröffnet neue Möglichkeiten, ist aber gelegentlich auch von Unsicherheit und Hilflosigkeit bei den Betroffenen, vor allem bei den zu uns kommenden Real- und Hauptschülern, begleitet.

Der zunehmende Anspruch auf Wissenschaftspropädeutik stellt die Schülerinnen und Schüler vor eine weitere Herausforderung. Diesen oftmals zu Beginn der Oberstufe auftretenden Ängsten und Sorgen zu begegnen, ein Zusammengehörigkeitsgefühl in der Jahrgangstufe zu entwickeln, Kooperation und Kommunikation auch außerhalb des Unterrichts zu fördern, neu an unsere Schule kommende Schülerinnen und Schüler zu integrieren und gemeinsame, jahrgangsspezifische Ziele zu entwickeln sind Anliegen des Themenbereiches „Jahrgangsorientierung".

Unter dem Leitgedanken „Drei Jahre Oberstufe - Was wollen wir daraus machen?" werden die Schüler/innen in einer Befragung angehalten, ihre Sorgen zu äußern, aber auch ihre Ideen und Pläne einzubringen.

Aus der gemeinsamen Auswertung der Fragebögen werden Pläne und Perspektiven für die Zukunft des Jahrganges entwickelt

Organisationsstruktur

Der gesetzte Zeitrahmen der Tagung von 2 1/2 Tagen, die inhaltlichen Ansprüche des Seminars und der Anspruch der Schülerinnen und Schüler nach gemeinsamer Freizeitgestaltung zwingen zu einem genau festgelegten organisatorischen Ablauf. Um die Zusammensetzung der Teilnehmer in den Kursen möglichst unterschiedlich zu halten, werden die Schülerinnen und Schüler statistisch auf die einzelnen Kurse verteilt. Dadurch ist gewährleistet, dass sich im Laufe des Seminars möglichst viele Schüler/innen kennenlernen. Die einzelnen Kurse werden zu Blöcken zusammengefasst und im einem Zeitraster wie in einem Stundenplan verteilt.

In den letzten Jahren wurde das Orientierungsseminar immer in der Sportschule Hennef durchgeführt. Hier finden sich für eine Jahrgangsstufe von ca. 120 Schülerinnen und Schülern optimale Tagungs- und Freizeitmöglichkeiten.

Es darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die finanzielle Durchführung des Orientierungsseminars immer durch die großzügige Übernahme der Fahrkosten durch den Förderverein der Schule in diesem Rahmen erst ermöglicht wird.

II. Studienfahrten

Die Schule als Lern- und Lebensraum ist auf vielfältige Begegnungsmöglichkeiten angewiesen. Fachliches, überfachliches, soziales und anwendungsorientiertes Lernen lässt sich nicht nur durch Öffnung des Unterrichtes nach außen, sondern auch durch Verlagerung der Lernortes „Kursraum" in ein verändertes Lernumfeld erreichen. Studienfahrten sind daher in der Oberstufe eine besondere unterrichtliche Veranstaltung. Das Spektrum des Lernens wird hier um wichtige Komponenten erweitert, die überaus geeignet sind, bruchstückhafte und isolierte Lernprozesse zu vermeiden. Der Hinzugewinn von anwendungsbezogenem Wissen, die Stärkung der Handlungskompetenz, die Entwicklung von Interessen und die Möglichkeit sozialer Erfahrung sind wichtige Schwerpunkte.

Organisatorisch werden die Studienfahrten an die Leistungskurse gebunden, da zur unterrichtlichen Vor- und Nachbereitung hier der größere Freiraum zur Verfügung steht und in der Wahl der Leistungskurse auch die Interessensschwerpunkte der Schüler und Schülerinnen berücksichtigt werden.

Das Fahrtenangebot erstreckt sich auf die Leistungskurse aller Aufgabenfelder. Fahrziele waren z. B. Rom, Florenz, München, London, Römö, Braunschweig, Mecklenburg, Wien, Camargue, Bretagne, Strasburg, Canterbury, Avignon, Dublin, Malta u.a.m.

Oft hatten unterschiedliche Leistungskurse gemeinsame Fahrziele. Neben den Kostengesichtspunkten haben hier auch fächerübergreifendes und fächerverbindendes Arbeiten Bedeutung.

Die Frage, ob es für unsere ehemaligen Schülerinnen und Schüler lohnend war, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen, wird erfahrungsgemäß in einem kritischen Rückblick leichter zu beantworten sein.

Sie, die „Ehemaligen", vermögen sehr deutlich zu beurteilen, ob und in welchem Maße unsere Bemühungen bisher erfolgreich waren, auf die Anforderungen außerhalb der Schule vorzubereiten. Ein Meinungs- und Erfahrungsaustausch mit Ihnen kann unserem pädagogischen Handeln daher eine weitere Perspektive geben.

Wir sind der Überzeugung, dass es sich ebenso für unsere künftigen Schülerinnen und Schüler lohnt, auch morgen noch dabei zu sein, in der Oberstufe des Gymnasiums Herzogenrath.

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