Gymnasium Herzogenrath

GESELLSCHAFT | Gedenkbuch als Schulprojekt (Stand: 01-05-2019)

Gedenkbuch für die Opfer der Shoah aus Aachen
In der Regel findet Schulunterricht fern der Öffentlichkeit statt und abgesehen von Berichten im persönlichen Kontext erfährt man nur selten aus erster Hand, womit sich heutige Schülerinnen und Schüler konkret in ihrem Unterricht beschäftigen. Anders im Fall eines Deutschkurses der Jahrgangsstufe 12 unseres Gymnasiums aus dem Jahr 2005, dessen Arbeit nun erneut eine Würdigung erfuhr. Die Schülerinnen und Schüler jenes Kurses haben damals gemeinsam mit ihrer Deutschlehrerin Wilma Hoekstra-von Cleef Biographien für das Gedenkbuch für die Opfer der Shoah aus Aachen verfasst.
 
Dabei handelt es sich um ein Projekt, das sich zur Aufgabe gesetzt hat, die Namen und die Lebensgeschichte ehemaliger Aachener Bürger jüdischen Glaubens, die in der Zeit zwischen Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933 und der Befreiung Aachens durch die Amerikaner am 21. Oktober 1944 in Aachen gelebt haben, zu veröffentlichen. Wesentliches Ziel ist dabei, Informationen zum Schicksal dieser Menschen in den Zeiten von Verfolgung, Emigration oder Deportation aufzuspüren und sie vor dem Vergessen zu bewahren.

Diesem Auftrag stellten sich auch unsere damaligen Schülerinnen und Schüler, die gemeinsam mit ihrer Deutschlehrerin zum Beispiel die Biographien zu Edith und Margot Frank, Mutter und Schwester von Anne Frank, verfassten, oder zu Betty Reis, der jungen Frau, nach der in ihrem Geburtsort Wassenberg die Gesamtschule benannt wurde. Grundlage der Arbeit war Quellenmaterial, welches dem Deutschkurs von den beiden Initiatoren des Gedenkbuch-Projektes, Bettina Offergeld und Norbert Keufgens, ehemaligen Schülern unserer Schule (Abiturjahrgang 1982) zur Verfügung gestellt worden ist. Daneben wurden auch Zeitzeugengespräche geführt, einige Schülerinnen und Schüler haben mit ihrem Geschichtslehrer Christian Patzelt in Aachener Archiven nach Informationen geforscht.

Der seit 2001 tätige Verein zum Gedenkbuchprojekt hatte bereits mehrfach Bände mit Biographien ehemaliger Aachener Juden veröffentlicht, unsere Schule war damals die einzige, die am ersten Gedenkbuch mitgearbeitet hat. Seit Anfang 2019 ist das Gedenkbuch für die Opfer der Shoah aus Aachen auch als Buch erhältlich und ist sogar in den aktuellen Katalog der Landeszentrale für politische Bildung NRW aufgenommen worden. Ein Exemplar dieses Gedenkbuches hat Frau Offergeld nun unserer Schule geschenkt. Es wurde im Februar dieses Jahres von der mittlerweile pensionierten Wilma Hoekstra-von Cleef an unsere Schulleiterin Dr. Renate Schwab und Christian Patzelt für die Schulbibliothek überreicht.

Die Initiatoren und Unterstützer jenes Projektes treffen sich weiter regelmäßig, denn das Gedenkbuch wird kontinuierlich fortgeschrieben. Vielleicht finden sich ja nochmal SchülerInnen und LehrerInnen unserer Schule, die sich einbringen möchten, um ein Stück (Lokal-)geschichte, das nicht vergessen werden darf, für die Nachwelt festzuhalten.

[text by: Nadja Winter, Pressebeauftragte der Schule | photos by: Christian Reiferth]