Gymnasium Herzogenrath

GESELLSCHAFT | Schüler treffen auf US-Veteranen (Stand: 25-09-2019)

US-Veteranen treten in Kekrade mit unseren Schülerinnen und Schüler in den lebendigen Dialog

Es war eine anstrengende Woche für die vier alten Herren, doch keinen der vielen Programmpunkte auf ihrer Tour durch Süd-Limburg wollten sie verpassen. Das versichern Jürgen Mingels, Initiator der Old-Hickory-Organisatie, und Hub Schetters, einst Englischlehrer und jetzt gerne Begleiter der so sehr willkommenen vier Gäste, unisono: „Sie sind neugierig, offen und wollen alles mitmachen!“.

Katharina Mertens mit Tony Jaber.

Gruppenbild

Kranzniederlegung am Old Hickoryplein

Von den gefeierten Veteranen George Hamm, Tony Jaber, John O’Hare und Peter Munger ist die Rede. Old Hickory nannte sich die 30. US-Infanterie-Divisi-on, in der sie dienten.
Und die am 12. September 1944 das Dörfchen Mesch erreichte und dann Ort für Ort vorrückte, um schließlich ganz Süd-Limburg vom Nazi-Regime zu befreien. Weit über 90 Jahre sind George, Tony, John und Peter, wie sie von allen freundschaftlich genannt werden, mittlerweile alt, immer noch tragen sie mit sichtbarem Stolz Jacken und Kappen mit dem Old-Hickory-Emblem. Keine Frage, dass auch Kerkrades Bürgermeisterin Petra Dassen-Housen sie im Rathaus aufs Herzlichste würdigte.
Schon mehrfach haben die vier im Laufe der Jahre Süd-Limburg besucht, jedesmal eine Reise in die Vergangenheit, in Erinnerung an Schrecken, aber auch Freude. Erstmals trafen sie jetzt auf deutsche Jugendliche. Es sollte sich ein Dialog entwickeln, der ihre jüngste Reise zukunftsweisend macht, mit dem dringenden Appell, dass Krieg niemals eine Lösung sein kann.
Jonas Tings, Katharina Mertens, Jessica Küpper, Amira Khouja (alle 17) sowie Mara Wörsdörfer, Thorsten Hunds und Manuel Frohn (alle 15) vom Herzogenrather Gymnasium hatten sich gut vorbereitet, um im direkten Gespräch zu erfahren, wie das war, plötzlich in einen Krieg ziehen zu müssen. Und die alten Herren erzählten bereitwillig – von Ängsten und Alpträumen, die sie noch Jahre später aufschrecken ließen, von der Unsicherheit auf Schritt und Tritt und der stets präsenten bangen Frage, ob man im nächsten Moment noch am Leben ist. Aber auch von der unbändigen Begeisterung, auf die sie 1944 in Süd-Limburg stießen, wo die Bewohner sie als Befreier in Empfang nahmen. Und mitunter so sehr umzingelten, dass es ihnen fast schon bedrohlich vorkam.
Nachhaltigen Eindruck haben die vier bei den jungen Leuten hinterlassen. Die hautnah erspüren konnten, dass die über 90-Jährigen, die ihnen gegenüber saßen, einst kaum älter als sie selbst waren, als sie antreten mussten, um in einem völlig fremden Land einen Krieg zu führen, mit dem sie eigentlich nichts zu tun hatten. „Ich bin froh“, sagt Jonas hinterher, „dass ich so etwas nicht erleben muss. Irgendwer musste es damals machen, und sie haben es geschafft“, zollt er auch denen Respekt, die nicht mehr aus dem Krieg zurückgekehrt sind.
Deutsche Oranje-Vereinigung
Zu hören, wie froh die Familien waren, als ihre Soldaten nach Jahren der Ungewissheit gesund wieder nach Hause kamen, das hat Amira besonders gerührt. Und das Geschehen einmal authentisch von jemand geschildert zu bekommen, der tatsächlich gekämpft hat „und nicht nur aus der Perspektive von Geschichtsschreibern“, das hat bei Manuel Eindruck hinterlassen.
Mara würdigt, was letztlich alle besonders bewegt: „Dass dieVeteranen mit uns als deutschen Schülern reden konnten, trotz der schlimmen Erfahrungen und Ängste, die sie damals hatten.“ Um Versöhnungsarbeit wie diese fortzusetzen, ist sie mit dabei, wenn sich am 5. Oktober in Herzogenrath die erste deutsche Oranjevereniging gründet, im königlichen Bund der Vereinigungungen, die in den Niederlanden für die Organisation von Gedenktagen verantwortlich zeichnen.

[text and photos by: Beatrix Oprée, Aachener Nachrichten]