Gymnasium Herzogenrath

GESELLSCHAFT | „Wir sind Juden aus Breslau“ (Stand: 12-02-2020)

Regisseurin Karin Kaper am SGH
Filmvorführung:„Wir sind Juden aus Breslau – Überlebende Jugendliche und ihre Schicksale nach 1933“
„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“ (Primo Levi)

Jüngst jährte sich am 27.Januar die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Auschwitz ist trauriges, erschütterndes, zu jeder Zeit mahnendes Synonym für die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus und planmäßigen Vernichtung der europäischen Juden. Dokumentationen, Berichte in Radio und Fernsehen widmeten sich dieser Tage umfangreich der Thematik, der Erinnerung und des Gedenkens. Eine Thematik, so scheint es, die 75 Jahre nach der Befreiung des Lagers Auschwitz, nach dem Ende des Holocaust und nach Kriegsende von höchster Aktualität ist!
So sagt Steinmeier als deutscher Bundespräsident in der jüdischen Gedenkstätte Yad Vashem: „ Die bösen Geister zeigen sich heute in neuem Gewand. Mehr noch: Sie präsentieren ihr antisemitisches, ihr völkisches, ihr autoritäres Denken als Antwort für die Zukunft, als neue Lösung für die Probleme unserer Zeit.“
Die Berliner Regisseurin Karin Kaper widmet sich in ihrem Dokumentarfilm den Juden der damals deutschen Stadt Breslau (heute: Polen). Im Detail beleuchtet sie die emotionalen, natürlich von Entbehrung, Leid und Verlust geprägten Lebensgeschichten diverser Juden, die von ihrem Leben vor der Ausgrenzung und Verfolgung erzählen sowie persönliche und unverblümte Einblicke in ihr Leben während des Holocaust sowie der Zeit danach gewähren.
Eine Zeit danach, die für die Überlebenden vielerorts ihren Lauf nahm, in Palästina bzw. später gegründeten Staat Israel, in Amerika und -auch- Deutschland.
Manchmal, so scheint es, war das eigene Überleben nur dem Zufall oder Glück geschuldet.
Wie weitermachen, wie weiterleben nach Erfahrungen und Erlebnissen wie denen in den Lagern?
Die Frage nach Gott wird aufgeworfen: Wo war Gott in Auschwitz?
Was bleibt vom Judentum?
Wie heute umgehen mit dieser Geschichte? Als Betroffener, als Nachfahre der Opfer, als Nachfahre der Täter?
Die Schülerinnen und Schülern durften anhand des Films die Lebensgeschichten einiger Juden kennenlernen, emphatisch und emotional Anteil nehmen an den tragischen und erschütternden, oft aber auch hoffnungsvoll stimmenden Geschichten der Breslauer Juden.
Rund 400 Schülerinnen und Schüler der Klassen 7-9 sowie einige Oberstufenschülerinnen und –schüler waren zugegen und folgten nach einleitenden Worten der kommissarischen Schulleitung, Markus Fabricius, und von Geschichtslehrer und Koordinator der Gesellschaftswissenschaften, Christian Reiferth, dem Film mit Interesse und Erschütterung gleichermaßen.
Beworben wurde der Film als Film von aktueller Brisanz, der ein eindringliches Zeichen setzt gegen stärker werdende nationalistische und antisemitische Strömungen in Europa und der zudem aufzeigt, wohin eine katastrophale Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt. Ein Film, der anhand der Lebensschicksale der Protagonisten auch die Gründung des Staates Israel mit den Erfahrungen des Holocaust in Verbindung setzt. Dem war so!

Wir danken der Regisseurin Karin Kaper für die Möglichkeit, den Film sehen zu dürfen, auch dafür, den Weg aus der Hauptstadt nach Herzogenrath eigens dafür angetreten zu sein.
Wir danken unserem Kooperationspartner, dem soziokulturellen Zentrum Klösterchen und dessen Vertreter Wilfried Hammers für die Kontaktherstellung und Organisation von außen, abschließend Frau Julia Schares und Herrn Christian Reiferth als Lehrerin und Lehrer für die schulische Organisation.
[text by: Christian Reiferth, Lehrer am SGH]