Gymnasium Herzogenrath

KULTUR | Die Klasse 8a war im Schülertheater (Stand: 28-05-2019)

Wi(e)derstand
Fast ohne Widerstand ließ sich die Klasse 8a im Rahmen des Deutschunterrichtes sogar am Samstagabend zu einem Besuch des renommierten Schülertheaters „Rohestheater“ der Mies-van-der-Rohe-Schule überreden, das zurzeit das Stück „Wi(e)derstand aufführt.
Im Unterricht wurde das Thema „Widerstand“ im Rahmen von Max Frischs Drama „Andorra“ besprochen, in dem der schleichende Prozess von wachsendem Antisemitismus in der andorranischen Gesellschaft beschrieben wird. Dem Protagonisten Andri werden – obwohl er, wie sich später herausstellen wird, gar kein Jude ist – jüdische Eigenschaften nachgesagt. Das Bild, das die Gesellschaft ihm wie einen Spiegel vorhält, verunsichert ihn und stürzt ihn in wachsende Selbstzweifel. Nach und nach übernimmt er das negative Bild und glaubt so zu sein, wie die mit Vorurteilen behafteten Menschen es ihm nachsagen…
Das Theaterstück der Mies-van-der-Rohe Schule eröffnete den Schülern nun die Möglichkeit, aus dem Unterricht gewonnene Erkenntnisse in Bezug zu aktuellen Themen zu setzen. Schon zu Beginn wurde man mit sich selbst konfrontiert, denn eine Kamera projizierte das gesamte Publikum auf die gegenüberliegende Wand. Verhalten suchte und fand man sich inmitten der Masse. Unangenehm berührt bewegte man sich und verstand, dass man Teil der Masse ist und eine Bewegung immer auffällt und einen entscheidenden Unterschied macht. Und genau darum ging es in dem Stück. Durch Gleichnisse, Tänze, Lieder und Collagen konfrontierte man uns beispielsweise mit Bildern von Flüchtlingen und der Geschichte des rechtsextrem motivierten Brandanschlages von Solingen, bei dem eine türkische Mutter 5 Kinder verlor. Dies wurde in Kontrast gesetzt zu Versatzstücken einer Hetzrede des AfD-Politikers Poggenburg, der seine Anhänger zum Abschieben der „Kameltreiber und Kümmelhändler“ aufruft. Die Schauspieler des Schülertheaters – verkleidet als Clowns oder Narren, die die Wahrheit aussprechen – ermahnten das Publikum immer wieder dazu, wachsam zu sein und „Nein“ zu sagen.
In der dem Stück folgenden Nachbesprechung, in der die schauspielenden Schüler jedes Mal Rede und Antwort stehen, trauten sich dann auch unsere Schüler, etwas zu sagen: „Das Stück hat mich wachgerüttelt. Wir sind als Achtklässler noch relativ jung und haben politisch sicher noch nicht viel Erfahrung – aber ich habe verstanden, dass wir aufpassen müssen, in welche Richtung unsere Gesellschaft geht und uns einmischen müssen. Das Stück hat mir gezeigt, wie gefährlich es sein kann, wenn wir nicht genau hingucken. Unsere Stimme zählt!“
Die Noch-Deutschlehrerin der 8a zeigte sich beeindruckt von den gewohnt neugierigen Fragen der Klasse und von schon sehr reifen Äußerungen.
[text and photo by: Kerstin Rosenberger, Lehrerin des SGH]