Gymnasium Herzogenrath

KULTUR | Kinderkulturkarawane 2019 (Stand: 22-10-19)

„Teatro Trono“ macht Halt am SGH

In der letzten Woche vor den Herbstferien durfte das SGH eine Kulturwoche der besonderen Art durchführen: „Teatro Trono“ aus Bolivien arbeitete mit Schülerinnen und Schülern der siebten und achten Klasse zum Thema Klimagerechtigkeit. „El Mañana es Hoy – Die Zukunft beginnt heute“. Unter diesem Motto hat sich „Teatro Trono“ vor mehr als 25 Jahren zusammengefunden.
Die Beteiligten wollten nicht mehr auf Veränderungen warten, sondern diese selbst in die Hand nehmen. Alles begann mit einer Gruppe von Straßenkindern in einer Erziehungsanstalt in El Alto. Mit großem Engagement verarbeiteten die Jugendlichen ihren Alltag in Theaterstücken – die erste Generation des „Teatro Trono“ war geboren.
Mit ausdrucksstarker Körpersprache kreiert die Gruppe Bilder auf der Bühne, die auch ohne viele Worte ankommen. Instrumente, Pantomime und Akrobatik beherrschen die jungen KünstlerInnen ebenso wie die Methoden des klassischen und modernen Theaters. Das Theaterstück „Rückkehr zu den Wurzeln“ von „Teatro Trono“ wurde am gemeinsamen Konzert- und Theaterabend mit dem Kulturrucksack vorgestellt: In dem Theaterstück wird nach einem Heilmittel für unsere erkrankte Erde gesucht. Die Heilungsversuche werden immer wieder durch Gestalten unterbrochen, die nach Profit gieren und sich nicht um die katastrophalen Folgen kümmern, die dieses Verhalten auf unseren Planeten hat. Es wurde pantomimisch gespielt, gerappt, musiziert, getanzt und am Ende standen große Bilder, die fatale Folgen unserer derzeitigen Lebensweise auf den Planeten zeigten. „Teatro Trono“ versteht sich meisterhaft darauf, das Publikum zu unterhalten und gleichzeitig zum Nachdenken zu bringen.
Neben dieser Performance der Theatergruppe wurde außerdem in Workshops mit Schülerinnen und Schülern gearbeitet. Ein besonderer Reiz der Projekte der Kinderkulturkarawane liegt darin, dass die Workshops in großen Teilen von den Jugendlichen der Gruppen geleitet werden. So werden Schülerinnen und Schüler von jungen Menschen in ihrem Alter inspiriert und ein Dialog auf Augenhöhe wird ermöglicht. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Klimagerechtigkeit erfolgte nicht mittels klassischer Unterrichtsformate, sondern durch Körperarbeit: Es wurde Theater und Pantomime gespielt, getrommelt, Plakate und Bühnenbildelemente designt und am Ende dieser Woche standen drei unterschiedliche Performances zu den Themen Wasser, Luftverschmutzung und Plastikmüll. Die Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse wählten diese Schwerpunkte selbstständig und konnten sich so individuell dem Thema Klimagerechtigkeit nähern. Kreativ, mit Witz und dennoch mit einer ernsten und nachdenklichen Komponente wurden diese Herausforderungen dargestellt. So blieb den unermüdlichen Sportlern der „Wasserperformance“ nach anfänglich verschwenderischem Übermut und unbeschwertem Wasserkonsum am Ende nur noch eine Flasche übrig, um die bis zum letzten Atemzug gekämpft wurde. Die Radfahrer der „Luftverschmutzungsszene“ transformierten schließlich auch den letzten passionierten Autofahrer zu einem Anhänger der Radfahrbewegung und die „Plastikperformance“ thematisierte den großen Verpackungswahn unserer Zeit und dessen Auswirkungen auf die Lebewesen in den Meeren.
Neben der Arbeit an den Performances sollte auch der kulturelle Austausch nicht zu kurz kommen: So kochte die Gruppe gemeinsam im Freizeitraum der Schule und verbrachte einen Nachmittag bei Essen und persönlichem Gespräch. Die Jugendlichen lernten sich kennen und erzählten von ihren Lebenswelten, entdeckten viele Gemeinsamkeiten, aber auch kulturelle und regionale Unterschiede. Spätestens am letzten Tag des „Teatro Trono“ Besuchs wurde klar, dass die persönliche Ebene in dieser Projektwoche einen hohen Stellenwert hatte: Die Jugendlichen verabschiedeten sich sichtlich bewegt und mit einer großen Wertschätzung für die gemeinsame Zeit.
Wir bedanken uns herzlich bei der Kinderkulturkarawane, „Teatro Trono“ und allen, die zum Gelingen dieser großartigen Austauschwoche beigetragen haben.

[text and photos by: Julia Schares, Musiklehrerin am SGH und Organisatorin des Kulturrucksackes]