Gymnasium Herzogenrath

KULTUR | Theaterstück der Q1: There will be blood – Macbeth (23-06-2016)

– Theaterkurs brachte Shakespeares Tragödie modern auf die Bühne
– Schauspielerisch überzeugende Darstellungen der jungen Mimen

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macbeth_2016_04macbeth_2016_03macbeth_2016_02macbeth_2016_01macbeth_2016_05In einem 50minütigen dichten, das Publikum in seinen Bann ziehenden Theaterstück entführten neun junge Schauspielerinnen und Schauspieler ihr Publikum in die Welt des Titelhelden Macbeth (großartig gespielt von Hannes Ruland), der vom Heerführer zum König von Schottland aufsteigt, sich zum Tyrannen wandelt und schließlich zu Fall kommt. Die eigentlich fünf Akte dauernde Tragödie wird als Schultheaterstück in insgesamt neun Bildern von Theaterkurslehrerin Gabriele Sauer inszeniert, wobei sich immer drei Bilder aufeinander beziehen.

Hier steht auch die magische Zahl „Drei“ für Shakespeares Verknüpfung von geschichtlichen Fakten mit Aberglauben, Mythologie und Fiktion. Letzteres wird dem Zuschauer sofort zu Beginn des Stückes vor Augen geführt, als die drei Hexen (gespielt von Julia Daum, Karin Frohn und Elena Schell), blutig geschminkt und kühl agierend, das erste Mal die bewusst karg gestaltete Bühne betreten und in englischer Sprache darüber beraten, wann und wo sie mit Macbeth zusammentreffen wollen.

Macbeth, nach erfolgreicher Schlacht mit seinem Begleiter Banquo (Paul-Luca Guske) auf dem Heimweg, trifft auf die Hexen, die ihm seine zukünftige Königsherrschaft prophezeien. Seine Frau, Lady Macbeth (Lea Sophie Krings), kann dies kaum abwarten, sodass Macbeth nicht auf die Vorsehung vertraut, sondern sich gewaltsam durch den Mord am alten König Duncan den Königsthron sichert. Die Angst vor dem Mitwisser Banquo, der Zeuge der Prophezeiung der Hexen wurde, lässt Macbeth auch diesen töten. Auch danach findet Macbeth keine Ruhe, sodass er die Hexen ein weiteres Mal aufsucht, um sich Gewissheit über seine Zukunft zu verschaffen. Eine von ihnen warnt ihn vor Macduff (Paul-Luca Guske) und tatsächlich erfährt Macbeth, dass Macduff zusammen mit Malcolm (Leonie Capellmann), dem Sohn des ermordeten Königs, ein Rebellionsheer gegen Macbeth anführen will. Aus Rache befiehlt dieser, Macduffs Frau und Kinder zu ermorden. Macduff stürzt in tiefe Verzweiflung, als er von der Tat erfährt und zieht in den Krieg gegen Macbeth. Die herannahenden Truppen verbergen sich hinter tarnenden Ästen und Zweigen, die von Macbeth in seinem Wahn als „wandelnder Wald“ (Statisten der Jg. Q1) interpretiert werden. Im Zweikampf mit Macduff wird Macbeth getötet, anschließend wird Duncans Sohn Malcolm zum neuen König von Schottland ausgerufen.

Die Szenen, in denen sich Macbeth und seine Frau, auf ihre jeweils eigene Weise mit ihrer Schuld an Duncans bzw. Banquos Tod auseinander setzen – er als mit sich hadernder Tyrann und sie an Albträumen leidend, bis sie schließlich den Verstand verliert und sich das Leben nimmt, gehören sicher zu den schauspielerisch eindrucksvollsten Leistungen der jungen Mimen. Die Gier nach Macht, ein nach wie vor aktuelles Thema, durchzieht das gesamte Stück, und so liegt es auf der Hand, dass die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler nicht in der Welt des mittelalterlichen Schottland verbleiben, sondern immer wieder Bezüge in die Moderne, ja sogar die Gegenwart suchen. Ganz entscheidend dafür sind die Szenen der drei Moderatorinnen (Leonie Capellmann, Nantje Losch, Theresa Spiekermann), die mit eigens verfassten Texten über die Tagesschau oder als Reporterin vor Ort über die Geschehnisse berichten. Am Ende sind sie es, die dem Zuschauer das ungute, vielleicht sogar bittere Gefühl vermitteln, dass ganz gleich, wer gerade an der Macht ist, sich nichts ändern oder gar verbessern wird, schließlich bleibt die Kleidung zu den Festen auch immer die gleiche …

Zurecht ließen sich der Theaterkurs und seine Lehrerin am Ende von „Macbeth“ für ihre Darbietung von ihrem Publikum feiern, Premiere war zwei Tage zuvor im „Theater 99“ in Aachen gewesen. Kursleiterin Gabriele Sauer dankte ausdrücklich allen am gelungenen Theaterabend Beteiligten vor und hinter der Bühne.

[text by: N. Winter, Lehrerin und Pressebeauftragte unserer Schule; photos by: Dr. Ralf Sauer]