Gymnasium Herzogenrath

KULTUR | Theaterstück „Lysistrata“ (06.06.2015)

– Theaterkurs der Q1 stellte sich mit viel Wortwitz der Frage nach dem Frieden
– letztes Theaterstück von Wilma Hoekstra-von-Cleef an unserer Schule

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lysistrata_2015_01Bereits im Jahre 411 v. Chr. schrieb der griechische Dichter Aristophanes die Komödie „Lysistrata“. Was bewegt 17/18jährige Schülerinnen und Schüler rund 2400 Jahre später, sich in ihrem Theaterkurs für genau jenes Stück zu entscheiden und es auf die Bühne zu bringen?


Die Antwort auf diese Frage gaben die jungen Schauspieler bei ihrer Premiere. Neben der Lust am Theaterspielen, die sicher auch in einem anderen Stück offenbart worden wäre, ist es, so schreiben die Akteure selber in ihrer Programmschrift, „die Komik der Sprache“ und die „Aktualität der Problematik“, die sie diese Wahl treffen ließen. Jener „Wortwitz“ verfehlte seine Wirkung nicht beim Publikum, hörte man doch bereits in der Pause den ein oder anderen Besucher amüsiert ein besonders gelungenes Zitat wiedergeben. Als „aktuell“ hatten die Schülerinnen und Schüler die antike griechische Komödie eingestuft, da Aristophanes über den Wunsch der Menschen nach Frieden geschrieben hat, ein Zustand, von dem wir auch heute – global betrachtet – nur träumen können.

lysistrata_2015_02Dabei bettete der griechische Dichter jene ernste Problematik in eine komödiantische Auseinandersetzung zwischen den Geschlechtern, in der die Frauen den Kampf gegen die Männer als Verursacher von Krieg und den damit verbundenen Leiden aufnehmen. Ihr unbedingter Wunsch nach Frieden lässt sie eine ungewöhnliche Strategie wählen: In Athen besetzen die Frauen unter Führung der Titelheldin Lysistrata (großartig gespielt von Roxanna Shad) die Akropolis und verweigern sich fortan sexuell gegenüber ihren Gatten. Abgesprochen ist dieses Vorgehen mit den Spartanerinnen, die ähnlich verfahren. Nach einigen Verwicklungen und Rückschritten – mehrfach versuchen liebestolle Frauen, die Burg in Richtung der Männer zu verlassen, oder die erbosten Herren, selbige zu erstürmen – führt der Liebesentzug tatsächlich zum Erfolg.

Das Spiel der jungen Akteure wies dabei viele Facetten auf: So absolvierten die jungen Schauspieler eine Stockkampfszene, der Chor der Männer musste sich mit Wasser übergießen lassen und durch die Spartanerin Lampito (Jamina Blessed-Amissah) fanden auch Begriffe der Jugendsprache ihren Platz.

lysistrata_2015_03Immer wieder amüsant anzuschauen war der Schlagabtausch zwischen Chorführerin (Almeda Lückhoff) und Chorführer (Anton Kamps) und der angesichts solcher weiblichen Übermacht hilflos wirkende Ratsherr (Lukas Schaffrath). Besonders in Erinnerung wird dem Publikum sicher die Szene zwischen dem liebeshungrigen Kinesias (Robin Zähringer) und der kalkuliert agierenden Myrrhine (Doreta Nic) bleiben, die große Belustigung hervorrief.

So war es wohl das Ineinandergreifen von zwei zentralen Elementen, die diesen Schultheaterabend zu einer Bereicherung werden ließen: Das überzeugende, humorvolle Spiel der Schülerinnen und Schüler und die Botschaft des Stückes – Frieden ist eben doch möglich, auch wenn es vielleicht ungewöhnlicher Wege bedarf. Die abschließende Szene, in der alle friedlich miteinander feiern, führte den Zuschauern das eigentlich Unmögliche noch einmal plakativ vor Augen.

lysistrata_2015_04Schulleiterin Frau Brigitte Jansen bedankte sich im Anschluss an das Stück bei dem Theaterkurs und seiner Kursleiterin, Wilma Hoekstra-von-Cleef, und lobte die jungen Schauspieler vor allem für ihr unterhaltsames und mutiges Spiel. Sowohl den Schülerinnen und Schülern als auch der Theaterlehrerin war anzumerken, dass ihnen die Zusammenarbeit Freude bereitet hat, gegenseitige Dankesbekundungen sowie lobende Erwähnungen der Bühnenbau-AG unter Leitung von Henriette Labrot sowie der Techniker und des Stockkampftrainers folgten. Am Schluss verabschiedeten dann auch Vertreter des Lehrerkollegiums Wilma Hoekstra-von Cleef in ihrer Funktion als langjährige Leiterin von Theaterkursen, die mit „Lysistrata“ ihre letzte Inszenierung auf eine Schulbühne brachte, da sie 2016 in den vorzeitigen Ruhestand tritt. „Ein würdiger Abschluss“ – so die einhellige Meinung. Übrigens – mit ein bisschen Glück wird „Lysistrata“ im Rahmen des 150jährigen Schuljubiläums am 18. September in gekürzter Fassung erneut aufgeführt.
 
[text by: N.Winter, Lehrerin und Pressebeauftragte unserer Schule | photos by: H.Capell, Lehrer unserer Schule]