Gymnasium Herzogenrath

KULTUR | Universität trifft Schule (16.11.2011)

– Renommierter Aachener Literaturwissenschaftler zu Gast am Gymnasium Herzogenrath
– Professor Hans Otto Horch referierte über „Arthur Schnitzler und die Wiener Moderne“

Vortrag Prof. Horch

Frau Cornelia Beckmannshagen, Herr Prof. Hans Otto Horch, Herr Reinhard Granz(v.li.n.re.)

Herzogenrath. Normalerweise gehen die Studenten zu den Professoren. Normalerweise … Umso erstaunter waren nun die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 des Gymnasiums Herzogenrath, allen voran der Deutsch – Leistungskurs von Oberstudienrätin Cornelia Beckmannshagen, dass es der Kursleiterin tatsächlich gelungen war, einen solch ausgewiesenen Experten für das im Zentralabitur 2012 relevante Thema der Wiener Moderne mit ihrem literarischen Hauptvertreter Arthur Schnitzler in die Rodastadt zu locken. Bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren war Professor Horch Inhaber des Lehr- und Forschungslehrstuhls deutsch – jüdischer Literatur und Kunstgeschichte an der RWTH Aachen, der so genannten „Ludwig – Strauß – Professur“, die sich als einzige Institution in Deutschland schwerpunktmäßig mit dem Wirken jüdischer Literaten seit dem 18. Jahrhundert auseinandersetzt. Zudem lehrte Horch zwischen 1990 und 1992 an der Hebräischen Universität Jerusalems und ist seit dem vergangenen Jahr aufgrund seiner überragenden Forschungsleistung Träger der Ben – Gurion – Medaille der Universität von Negev.

Bestens vorbereitet nicht nur durch die unterrichtliche Lektüre der Novelle „Lieutenant Gustl“, sondern auch durch eine einwöchige Studienfahrt nach Wien zu Beginn des Schuljahres, nahmen die Schülerinnen und Schüler in der Aula Platz, um dem durch eine Powerpoint – Präsentation angereicherten freien Vortrag des Professors zu lauschen. Dieser begann zunächst mit einleitenden Ausführungen über die Bedeutung der Stadt Wien als Zentrum deutsch – jüdischer Kultur um 1900. Die gebannte Zuhörerschaft erwarteten dabei nicht nur profunde Ausführungen zur damaligen literarischen Welt, vielmehr schlug Horch in anspruchsvoller, aber niemals überfordernder Weise, einen weiten Bogen zur Bedeutung der Philosophie, der Soziallehre, der Psychologie und sogar der Musik in der österreichischen Hauptstadt zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts.

Der literarische Hauptvertreter der Wiener Moderne war und ist sicherlich Arthur Schnitzler. Horch gelang es, seinen Zuhörern diesen komplexen Charakter nahezubringen sowohl als Arzt, dem Beruf, den schon sein Vater bekleidete, und Schriftsteller; in beiden Funktionen der Diagnose verpflichtet von Krankheiten, seien sie körperlicher und / oder gesellschaftlicher Natur. Ganz besonders deutlich wird dies in seinem Werk „Lieutenant Gustl“, eine fast durchgängig als innerer Monolog gestaltete Darstellung der Ängste und Neurosen eines jungen k.u.k – Lieutnants mit dem Ziel, den Militarismus und Antisemitismus der damaligen Zeit zu entlarven.

Nach knapp 90 Minuten endeten die Ausführungen Professor Horchs mit lang anhaltendem Applaus. Und auch Cornelia Beckmannshagen fand lobende Worte: „Der schwer zugängliche Abiturstoff, der um Duell und Ehre kreist, ist durch die spannende Darstellung von Herrn Prof. Horch lebendig geworden. Erst die Darstellung der vielfältigen kulturellen Hintergründe des deutsch-jüdischen Lebens im Wien des Fin de Siècle machen das Werk für unsere Schülerinnen und Schüler nachvollziehbar“. Das Fazit einer Schülerin lautet: „Es wäre gut, wenn Hochschullehrer häufiger in Schulen kommen würden. Das ergänzt unseren Unterricht und gibt uns auch Einblicke, wie an der Uni Vorlesungen aussehen.“ Sowohl den Schülerinnen und Schülern in Herzogenrath als auch dem Vortragenden hat diese lehrreiche Erfahrung eindeutig Spaß gemacht.