Gymnasium Herzogenrath

SCHULE | Emotionaler Abschied von Frau Jansen (Stand: 31-01-2018)

– Unsere engagierte Schulleiterin geht in den Ruhestand
– Sie leitete sechs Jahre lang unser Gymnasium
– Schlussteil ihrer Abschiedsrede am Ende dieses Artikels

Die Tränen hatte man sich für den Moment aufbewahrt, als allen Anwesenden klar wurde, dass es nun wirklich vorbei ist. Zur Verabschiedung von Schulleiterin Brigitte Jansen hatten die Organisatoren vom Städtischen Gymnasium Herzogenrath wahrlich nicht an Witz und Humor gespart. Viele ehemalige Schüler, Kollegen, Weggefährten und das aktuelle Kollegium gaben sich in der Aula ein Stelldichein – genau dort, wo Jansen fast auf den Tag genau vor 6 Jahren ihren Einstieg feierte.
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Von Seiten des Schulträgers bedauerte Bürgermeister Christoph von den Driesch den Abschied der Schulleiterin zutiefst: „Sie haben 2012 eine große Aufgabe, verbunden mit großer Verantwortung, übernommen und sehr gut gemeistert. Bei einem solchen Beruf kann man nach Feierabend wahrlich nicht einfach abschalten.“ Mit Jansen habe der Schulträger viele, von beiden Seiten engagierte Debatten geführt, die jedoch zu jedem Zeitpunkt von großem, gegenseitigem Respekt geprägt waren. „Harmonie war für Brigitte Jansen immer die erste Grundlage.“

In Bezug auf ihre musikalischen Errungenschaften am Gymnasium wünschte sich der Bürgermeister, dass diese Entwicklung in Herzogenrath nicht ins Stocken gerät. Die Entwicklung der Orchesterlandschaft am Gymnasium sei nur eins von vielen Argumenten, die Jansens geflügelte Worte von ihrem Amtsantritt unterstreichen: „Hier gehöre ich hin!“

Musikalisch zollten sowohl der Abi-Chor, Schulorchester und zahlreiche Solisten, als auch das schuleigene Lehrer-Orchester „Kollegium Musicum“ der scheidenden Chefin Respekt. Aus den Reihen der Elternpflegschaft verwendeten Britta Schwering und Ingo Klöcker eine ungewöhnliche Metapher: „Es bietet sich der Vergleich mit einer Hornisse an. Dies sind wehrhafte Tiere, die aber ausschließlich defensiv agieren zum Schutz ihrer Artgenossen. Für Sie stand der Schutz der Schüler und der Schulgemeinde immer an erster Stelle“, sagten Schwering und Klöcker.

Ein besonderes Bonbon hatte eine Gruppe von ehemaligen Schülern vorbereitet. In einem selbst gestalteten Filmbeitrag zeigten sie in aberwitziger Manier den fiktiven letzten Arbeitstag von Jansen an „ihrer“ Schule. Aus der „Ego-Shooter-Perspektive“ erlebt Jansen Abenteuer im Chemieraum, bekommt „gute“ Ratschläge von Kollegen für den Ruhestand und trifft an der Bushaltestelle ihren Amtsvorgänger, Herrn Oberstudiendirektor Reinhard Granz,  zum verdienten „Feierabendbierchen“.

Nachdem die Tränen zum Ende des offiziellen Teils schnell wieder getrocknet waren, konnten beim Sektempfang noch viele Anekdoten und Erinnerungen ausgetauscht werden. Von einem Ruhestand – soviel war den meisten Anwesenden klar – kann im Fall von Brigitte Jansen eigentlich nicht die Rede sein. Orchesterarbeit und Mitarbeit bei der Schulleiterausbildung der Bezirksregierung Köln – zumindest in naher Zukunft – wird das Thema Schule der scheidenden Direktorin noch einen erfüllten „Unruhestand“ bescheren.
 
Im Schlussteil ihrer Abschiedsrede hat Frau Jansen ihrer Nachfolgerin, Frau Dr. Schwab, allen Anwesenden in der Aula und allen Schülern und Schülerinnen der Schule vielfältige Wünsche zum Ausdruck gebracht:

„Ich wünsche Ihnen allen für die kommenden, sicherlich wieder wie immer spannenden und ereignisreichen Jahre alles Gute. Meiner Nachfolgerin, Frau Dr. Schwab, wünsche ich eine glückliche Hand bei der Leitung dieser erfolgreichen und schönen Schule.

Euch, liebe Schülerinnen und Schüler, wünsche ich ein Leben, in dem ihr euch entfalten könnt, in dem ihr neben einem guten Partner und wirklich echten Freunden eine Passion findet, die euch auf eurem Weg trägt. Und diese Passion sollte keine banale Fastfoud oder Eventkultur sein, sondern euch mit Tiefgang wirkliche Freude schenken.

Für uns alle wünsche ich mir eine Lebenskultur, in der Anstrengung nicht sofort als Stress bezeichnet wird, in dem jeder nicht nur herumnörgelt und in einem Dauerstimmungstief alle anderen für missliche Umstände verantwortlich macht, sondern wo jeder Einzelne selbst mit Freude anpackt. Eine Gesellschaft, in der allerdings auch die Arbeit eines jeden, sei es als Arbeiter, Angestellter, Akademiker, als Ehrenamtler oder einfach als Familienangehöriger gewürdigt und entsprechend honoriert wird.
Nur wenn wir alle bereit sind, das Gute, was uns tagtäglich geschieht, wirklich wahrzunehmen und auch einmal danke zu sagen,
wenn wir bereit sind, unseren eigenen Verstand zu benutzen und dabei Fakten differenziert wahrnehmen, Experten zuhören und dann kritisch hinterfragen und wenn wir bereit sind, etwas wirklich Wertvolles selbst zu geben, können wir von der Gesellschaft, die wir letztendlich alle sind, etwas fordern.

In diesem Sinne wünsche ich allen hier Anwesenden, egal in welchem Lebensabschnitt sie sich befinden, ein möglichst selbstbestimmtes und glückliches Leben in Freiheit, Frieden und Demokratie.“

(Brigitte Jansen, Freitag, 19.Januar 2018)
 
[text by: Y. Longerich, Aachener Nachrichten, 31.01.2018 ; photos by: Webmaster Städt. Gymnasium Herzogenrath]