Gymnasium Herzogenrath

SCHULE | Neue Schulleiterin am SGH (Stand: 12-02-2018)

Dr. Renate Schwab: gekommen, um zu bleiben.
„Mein Wille, Schule zu gestalten, ist einfach groß.“

Verena Müller von den Aachener Nachrichten sprach mit Frau Dr. Renate Schwab über ihren Werdegang und die Zukunft an der Bardenberger Straße 72.

Frau Schwab, Sie haben Ihren Doktor in Molekularbiologie gemacht. Bei dem Fach und der Promotion liegt der Rückschluss nahe, dass Sie zunächst eine andere Karriere geplant hatten.

Schwab: Woher wissen Sie das mit der Molekularbiologie?

Dafür werde ich bezahlt (lacht). Im Ernst: einer der ersten Treffer, wenn man Ihren Namen googelt und die Seiten mit der gleichnamigen Frauenärztin im Allgäu auslässt.

Schwab: Echt? Aha! Dass ich ursprünglich andere Pläne hatte, war auch so. Das wissen wahrscheinlich die wenigsten, weil ich diese Stationen immer auslasse. Ich denke mir: Man muss es nicht unnötig kompliziert machen. Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich bin in Frankfurt im Schatten der Hoechst AG groß geworden und habe Pharmazie studiert, mit der Industrie als Ziel vor Augen.

Waren Sie da familiär vorbelastet?

Schwab: Ja, mein Vater war Abteilungsleiter bei der Hoechst AG und hier hatte ich das Tätigkeitsfeld eines Pharmazeuten in der Industrie kennengelernt. Im Laufe der Zeit ändert man aber seine Zielvorstellungen. So hatte mich am Ende meines Studiums ein Bekannter in seine Arbeitsgruppe in der onkologischen Abteilung des Uniklinikums in Mainz eingeladen und mir eine Promotionsstelle angeboten. Ich beschäftigte mich konkret mit Stammzellen von Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie und untersuchte die Zellzykluskontrolle im Vergleich zu gesunden Stammzellen.

Das war 1994. Wie kamen Sie zur Lehre?

Schwab: In Mainz betreute ich die Medizinstudenten mit der Einweisung im Labor und ihre eigenen Forschungsarbeiten. Diese Aufgabe hat mir den Impuls gegeben, über den Beruf Lehrer nachzudenken. Zuerst bin ich dann aber doch zu Grünenthal gegangen – mein Mann hatte zuvor eine Stelle bei Philips in Aachen angenommen. Jetzt muss man wissen, dass Grünenthal ein Familienunternehmen ist und ich durch meine Studentenjobs bei der Hoechst AG andere Strukturen gewohnt war. Ich wollte dort also nicht auf Dauer bleiben. Unsere beiden Töchter kamen zur Welt, und wir sind für vier Jahre nach England umgezogen. Das war ein sehr wichtiger Abschnitt.

Inwiefern?

Schwab: Dort habe ich dann endgültig die Entscheidung getroffen, Lehrerin zu werden. Ich habe dort das Referendariat in Biologie und Chemie absolviert. Der Unterricht war damals, um das Jahr 2000, in England didaktisch ganz anders gestaltet. Während der naturwissenschaftliche Unterricht, den ich kannte, vorwiegend durch Frontalunterricht und Lehrerexperimente geprägt war, legten die Schulen in England den Fokus auf Schülerzentrierung. Gerade war die erste Pisa-Studie veröffentlicht. England lag an der Spitze, Deutschland weit abgeschlagen am Ende.

Was leiteten Sie daraus ab?

Schwab: Ich fragte mich, ob ein Zusammenhang zwischen der Gestaltung von Unterricht und Pisa-Ergebnissen bestand. Nach unserer Rückkehr nach Deutschland habe ich daraus meine Masterarbeit, die ich in Kiel geschrieben habe, abgeleitet.

An welcher Schule haben Sie als Erstes unterrichtet?

Schwab: Am Gymnasium am Turmhof in Mechernich. Ein Chemielehrer hat damals im „Chemie im Kontext“-Projekt mitgewirkt, das vom IPN in Kiel entwickelt wurde. Ich konnte also in Euskirchen meine Erfahrungen vertiefen und weiter der Fragestellung nachgehen, wie die Qualität des naturwissenschaftlichen Unterrichts gefördert werden kann. Von 2012 bis 2016 habe ich außerdem Seminare für Lehramtsstudenten der RWTH-Aachen in der Didaktik der Chemie gegeben. Dabei ging es um kreative Unterrichtskonzeptionen.

Das ist offenbar zu Ihrem Steckenpferd geworden. Lang waren Sie aber nicht in Mechernich.

Schwab: Drei Jahre. Aus der Zeit habe ich aber viel mitgenommen, wie man Schule gestalten kann, wie man Chemie-Unterricht besser machen kann … Das hat mir bei der Koordinierung der naturwissenschaftlichen Fächer am Kaiser-Karl-Gymnasium in Aachen genutzt. Dort habe ich mich sieben Jahre lang auch mit der Frage beschäftigt, wie man Übergänge von der Grundschule zur weiterführenden Schule sowie im Verlauf der Sekundarstufe ohne Brüche gestalten kann, habe das Projekt ‚Die Großen mit den Kleinen‘ zusammen mit meinen Kollegen ins Leben gerufen – was für die Grundschüler und Oberstufenschüler das Erlebnis schlechthin war. Im Zuge der MINT-EC-Zertifizierung haben wir den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich neu konzipiert.

Folgte dann schon der Wechsel nach Übach-Palenberg? Ihre Halbwertzeit an einer Schule währt ja im Schnitt gerade einmal fünf Jahre. Wie lang bleiben Sie denn hier?

Schwab: Fünf ist schon hochgegriffen (lacht). Nein, ich bin schon mit der Absicht nach Herzogenrath gekommen, zu bleiben. Und ja, nach Aachen bin ich als stellvertretende Schulleiterin ans Carolus-Magnus-Gymnasium gewechselt. Mein Wille, Schule zu gestalten, ist einfach groß. Wenn die Dinge, die ich angestoßen habe, zum Selbstläufer werden, brauche ich neue Aufgaben. Das schaffe ich aber nur, wenn ich bisherige Rollen aufgebe.

Wie war‘s in Übach-Palenberg?

Schwab: Toll! Mein damaliger Chef hat mir große Freiheiten gelassen und ich wurde von einem sehr lebendigen und kreativen Kollegium begleitet.

Wieso haben Sie sich für Herzogenrath beworben?

Schwab: Die Absicht habe ich ursprünglich gar nicht gehegt. Ich habe das Eignungsfeststellungsverfahren ursprünglich für die Schulleitungsstelle in Übach-Palenberg durchlaufen.

Für die Stelle Ihres Chefs, der dann aber doch nicht nach Stolberg wechselte.

Schwab: Genau. Nun war ich aber einmal im Pool, und nachdem mich mehrere Kollegen und Eltern darauf angesprochen hatten, dass das eine tolle Schule ist, habe ich mich beworben. Erst mit der Zeit habe ich die Schule mit ihrer starken pädagogischen Arbeit näher kennengelernt und gemerkt, dass sie sehr gut zu mir passt.

Welche Baustellen erwarten Sie?

Schwab: Ich war ganz begeistert, dass das Kollegium in Herzogenrath zusammen mit ihrer Schulleiterin Frau Jansen die Entwicklung der Schule so weit voran gebracht haben. Die Qualitätsanalyse hat im vergangen Herbst die hohe Qualität der schulischen Arbeit sehr wertgeschätzt.

Wie viele Schüler haben Sie?

Schwab: Über 1000. Nach England meine bisher größte Schule. Und trotz dieser Größe geht hier dank der hervorragenden individuellen Förderung kein Kind unter. Die Zeugniskonferenzen sind sehr ausführlich, jedes Kind wird besonders betrachtet. Es gibt eine sehr gute Exzellenzförderung, auf die Schwächsten und alle anderen wird aber genauso individuell eingegangen. Das finde ich enorm wichtig.

[text and photo by: Verena Müller, Aachener Nachrichten, 07.02.2018]