Gymnasium Herzogenrath

Theater Jg.Stufe Q1: der gute Mensch von Sezuan (18.05.2012)

Der Theaterkurs der Q1 inszeniert im Rahmen der Aachener Schultheatertage

Schlussapplaus mit Jutta Kröhnert, der Organisatorin der Schultheatertage, die eine Urkunde mitbrachte

Herzogenrath. Sicher stellt es für einen modernen Menschen im medialen Zeitalter der immer kleiner werdenden Aufmerksamkeitsspanne eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, sein Interesse Brechts annähernd dreiStunden dauerndem Theaterstück „Der gute Mensch von Sezuan“ zu widmen. Um wie viel höher aber ist dann dieLeistung der Schülerinnen und Schüler einzuschätzen, eben dieses Stück in einer beinahe ungekürzten Fassungspannend, lehrreich und unterhaltsam auf die Bühne zu bringen? „Das sieht man heute auf den Bühnen dieser Welt sehr selten“, so der Schauspieler und Regisseur Jens Wacholz, der zusammen mit der Kursleiterin Wilma Hoekstra – von Cleef und den Mitwirkenden das episches Drama aus den 1940er Jahren in einer behutsam modernisierten Fassung erarbeitet hat.

Die Bühne ist nur spärlich dekoriert, schlichte Holzregale unterstreichen die Armut und Verzweiflung der Menschen in Sezuan. Hier ist sich jeder selbst der Nächste. Und so fällt es den drei Göttern, die die Welt auf der Suche nach einem guten Menschen durchwandern, zunächst schwer, eine Nachtunterkunft zu finden. Fündig werden sie schließlich bei der gutgläubigen und mitfühlenden Shen Te, überzeugend dargestellt von Ina Hovestadt, die als Lohn für ihre Barmherzigkeit 1000 Taler erhält, einen Tabakladen eröffnet und so nicht mehr gezwungen ist, der Prostitution nachzugehen.

Doch ihr Versprechen, von nun an redlich zu leben und sich gut zu verhalten, stellt sich wegen des Neides und der Missgunst der sie umgebenden kapitalistischen Gesellschaft als zunehmend schwierig heraus, und als ihr Vermögen fast aufgebraucht ist und sie den Tabakladen zu verlieren scheint, schlüpft sie in die Maske ihres imaginären Vetters und hartherzigen Geschäftsmannes Shui Ta (ebenfalls hervorragend: Juliane Esser), dessen ausbeuterische Methoden allein das wirtschaftliche Überleben des anderen Ichs sichern können. Als Shen Te monatelang nicht auftaucht, glaubt man, Shui Ta habe sie umgebracht, und er wird vor Gericht gestellt. Dort offenbart sich deren Doppelexistenz, verbunden mit der scheinbaren Unmöglichkeit, persönliche Integrität und wirtschaftliche Zwänge miteinander zu vereinen.

Diese Doppeldeutigkeit des Geschehens den Zuschauern transparent zu machen, ist schwierig, gelingt den Schauspielern aber glaubwürdig und eindringlich: Timo Gervens als vordergründig netter Junge, der jedoch hinterrücks Kuchen stiehlt, um so zumindest seinen ärgsten Hunger zu stillen, Peter Frohn als Wasserverkäufer, der sich nicht zu schade ist, mit der Füllmenge seines Bechers zu betrügen, Tim Sevenich als Yang Sun, der so gerne ein Postflieger werden möchte, dessen Moral aber nur zu häufig am Boden zerschellt.

Und über allem steht die ewige Frage des Menschen: „Ist es möglich, gut zu sein und doch zu leben?“ Beantwortet wird sie – ganz im Sinne des Autors – nicht. Und dennoch ist die Situation nicht ausweglos, denn, so Brecht in Anlehnung an Konfuzius, „das Edle ist wie eine Glocke, schlägt man sie, so tönt sie, schlägt man sie nicht, so tönt sie nicht“.

 

[text by: D.Brenig, Lehrer am Gymnasium]