Gymnasium Herzogenrath

Verabschiedung von Dr. Willkomm (09.02.2001)

Verabschiedung des Schulleiters Dr. Anton Willkomm am Freitag, den 09.02.2001

willkomm_2001Herzogenrath. „Das war ganz toll.“ Aus dem sonst wenig bewegten Gesicht Anton  Willkomms blitzen die Augen freudig. Schüler wie Kollegen haben dem Leiter des Herzogenrather Gymnasiums einen rührenden Abschied gegeben. In Kürze tritt er seine neue Stelle in Lima an. Sich offen halten für neue Möglichkeiten – diesen Wahlspruch Pablo Picassos habe er sich zu eigen gemacht, sagt der promovierte Schulleiter, nachdem er nach gut zweistündigem Verabschiedungsprogramms am gestrigen Vormittag ans Rednerpult getreten ist und artig allen – der Stadtverwaltung, der Bezirksregierung, den Eltern, den Kollegen und den Schülern – gedankt hat.

1 500 Zöglinge

23 Jahre war der nun 56-Jährige Mathematik- und Physiklehrer und neun Jahre hat er in Herzogenrath als Leiter des Gymnasiums gewirkt. Jetzt übernimmt Willkomm die Leitung des Colegio Peruano-Alemán in Lima mit seinen 1500 Zöglingen – vom Kindergartenkind bis zum Berufsschüler (die „Nachrichten“ berichteten).

„Ich weiß, dass ich einige Fehler gemacht habe, aber bewusst habe ich niemandem Unrecht getan‘, sagt er in gewohnter Offenheit und bittet diejenigen um Verzeihung, denen Unrecht widerfahren sei. Der Schule und den Schülern wünscht er, dass Erwerb von Wissen auch Freude bereiten solle, dass Kollegen, Eltern und Schüler sich weiterhin im Konsens üben sollten und dass sein Nachfolger der gelegentlichen Hektik mit Ruhe und Weisheit begegnen möge.

Eigentlich hätte er die vorbereitete Rede lieber nicht gehalten. Er hat es dann doch getan, wohl seinem dezidierten Pflichtbewusstsein folgend. Sie wirkt dann doch etwas steif, gemessen an dem fulminanten; witzigen und damit aber auch – dem Scheidenden gegenüber – kritischen Programm, das Schüler und Lehrer (s. Kasten) zuvor gezündet haben.

Da singt der Unterstufenchor, damit auch jeder zu Beginn weiß, worum’s hier geht, ´El condor pasa` – in Englisch. Da begrüßt der Interimsleiter Reinhard Granz in lockerer Form, würdigt die hohe Frustrationsfähigkeit, die ein Schulleiter nun einmal haben müsse: „Man muss schon ein wenig Jeck sein, um sich heutzutage auf eine solche Tätigkeit einzulassen.“ Da wendet sich die Sprecherin der Bezirksdirektorenkonferenz, Dr. Ingrid Edeler, in einer sehr persönlich gehaltenen Ansprache per du an den Kollegen und Freund. Nicht einmal der Abgesandte der Bezirksregierung, Rolf Wörhoff, wirkt bürokratisch steif. Auch wenn er eine Menge Zahlenmaterial aus der Vita Willkomms zu absolvieren hat.

Kurzweiliges

Eher Kurzweiliges auch von Bürgermeister Gerd Zimmermann, der – wie üblich – seinen Redetext links liegen lässt und improvisiert. Nicht verhehlen will er, dass das Zusammenwirken von Schulträger und Schule, als Willkomm, nicht immer ganz gedeihlich gewesen ist. Aber. das Erreichte könne sich sehen lassen. Zimmermann beglückwünscht den dreifachen Vater für seinen Mut, in die Ferne aufzubrechen. „Ich würde gerne auch so etwas machen. Aber ich habe das ganze Internet abgefahren: in ganz Südamerika sucht niemand einen Bürgermeister aus Herzogenrath!‘

Zum Thema
Auf der Spur des „Willkommswegs“
Den „Willkommsweg“ haben die Kollegen aufgespürt und in Etappen auf der Bühnedargestellt: den zielgerichteten Karriereweg des Lehrers, der auch mal Verwaltungsfachmann gelernt hat, bis hin zum „Generaldirektor“ in Lima („El Toni pasa“). Im mit- gegebenen Gepäck: Paul Watzlawicks „Anleitung zum Unglücklichsein“. Bestechend auch die Darstellung der Matheschüler. Willkomms Rechnung ging bei ihnen auf. Für Mathe gehen sie nun durchs Feuer. Nicht nur von Schülersprecherin Anna Hilsmann heißt es schließlich: „AdiósToni!” und “Hasta la vista!”