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Nie wieder Auschwitz – Nie wieder ist Jetzt! 

  • Autorenbild: SGH Webteam
    SGH Webteam
  • vor 6 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Gedenkveranstaltung „81 Jahre Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz/ Internationaler Holocaust Gedenktag“ 

Schülerinnen und Schüler des SGH präsentieren emotional ergreifende und historisch fundierte Einblicke in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte im Licht der Losung „Schuld und Verantwortung“ 

 

Die Veranstaltung reiht sich ein in die in der Kooperation mit dem Soziokulturellen Zentrum Klösterchen entstandenen „Trilogie des Grauens“ (Gedenken an den 10. Mai (Bücherverbrennung 1933), 9. November (Reichspogrom1938) und stellt inhaltlich stets einen traurigen Höhepunkt dar. 


Der 27. Januar 1945 markiert das Ende von Auschwitz durch die Befreiung durch die Rote Armee. Zu dem Zeitpunkt befinden sich noch tausende Inhaftierte in Auschwitz, ihrem Schicksal überlassen, ein Groß wurde bereits auf die so genannten Todesmärsche ins so genannte deutsche Kernreich geschickt. Beweise in den Lagern wurden vernichtet, die Gaskammern gesprengt, und dennoch: zu massiv, zu umfassend die Beweislage vom Vergehen am Menschen. 


Nach einführenden Worten von Liedermacher Udo Schroll (Duo Zwischentöne) und Bürgermeister Dr. Benjamin Fadavian, die jeweils die Bedeutung und Notwendigkeit des Gedenkens und Erinnerns betonten, stellte auch Geschichtslehrer und Koordinator Christian Reiferth in seiner einführenden und begrüßenden Ansprache fest, dass Gedenken und Erinnern angesichts der Gräuel von Auschwitz und gegenwärtiger Entwicklungen in Politik und Gesellschaft Auftrag und Verpflichtung zugleich seien. Weil der Ton im politischen Diskurs sich zunehmend verschärfe und angesichts der vergangenen Zeit von nun 80 Jahren und mehr gar die Gedenk- und Erinnerungskultur in Frage stellt, müsse man, so Reiferth, unbeirrt die Brücke zur Vergangenheit bauen; es seien nicht schon, sondern erst 81 Jahre seit der Befreiung von Auschwitz. Die 1946 verfasste, fiktiv- dsytopische Zukunftsvision 1984 von George Orwell sei im Jahre 2026 erschreckend real: Täglich erreichten uns Bilder aus den trumpistischen USA, die uns schockierten, die wir mit einem demokratischen Rechtsstaat nicht übereinbringen vermögen, wenn Demonstranten und Zivilbürger durch militante Einsatzgruppen vor laufenden Kameras erschossen würden. Diese gegenwärtigen Entwicklungen folgten Mechanismen, die die Umgestaltung zu totalitären Systemen charakterisierten,- beängstigende Parallelen und Analogien, auf die auch Pauline Hirschhausen später noch fundiert Bezug nahm. „Auschwitz war und ist explizit“, hieß es, geschichtsvergessene, gestrige Verlautbarungen in gegenwärtigen Diskursen seien explizit, das heißt explizit unangebracht, explizit falsch,- daher und umso mehr müsse unsere Antwort auch explizit sein. Und explizit sollten in dieser Veranstaltung auch die Beiträge sein. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich tiefgehend mit den Funktionsweisen des Vernichtungslagers auseinander, emotional und unverschönt-direkt. 


Erneut wurde die Veranstaltung von Raja Miklosch und Caspar Stummer (beide Jahrgangsstufe Q1) professionell moderiert. Raja und Caspar bewiesen in ihren Anmoderationen großes Feingefühl für die Gesamtthematik und Hinführung zu den Teilaspekten und zollten den Beitragenden vorab und abschließend großen Respekt. So moderiert man Veranstaltungen! 


Zu Beginn verlas Raja die Namen der Herzogenrather Jüdinnen und Juden, die im Holocaust ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden; auch wenn einige Herzogenrather Jüdinnen und Juden überlebten, nicht selten führte ihr Weg sie nach Auschwitz; es bestehe demnach auch eine direkte Beziehung zwischen Herzogenrath und Auschwitz. Untermalt wurde jeder Name durch einen anrührenden Akkord aus Hans Zimmers „Interstellar“, gespielt von Co-Moderator Caspar. 

Als „Chef-Historiker“ hat sich in den letzten Jahren Zehntklässler Fabian Pritzkat, der gar derzeit ein historisch gefärbtes Praktikum in der Archäologie absolviert, hervorgetan. Er führte erneut in die Thematik ein und referierte gekonnt in einem Spagat zwischen Sachlichkeit und Emotionalität über die Entstehung und Funktionsweise von Auschwitz, wo, so Fabian, mehr als 1/6 der getöteten Juden starben (rund 1,5 Millionen!). Auch stellte er souverän die Entwicklung hin zu Auschwitz dar, denn: Es begann nicht mit und in Auschwitz


Co-Koordinator der Veranstaltungsreihe, Geschichts- und Theater-/ Literaturlehrer Francesco Celestino, überzeugte ein weiteres Mal mit einer szenischen Darstellung, „Cer – Das Periodische System“ (frei nach Primo Levi, der selbst die Lager, u.a. Auschwitz, überlebte): Während seiner Arbeit im Buna-Labor entwendet Levi kleine Stäbchen aus einer Cer-Eisen-Legierung. Er nutzt sein chemisches Wissen, um aus diesen Stäbchen Feuersteine für Feuerzeuge zu feilen. Diese Feuersteine tauscht er gegen Brot, was ihm und seinem Freund Alberto das Überleben sichert, als die Rationen im Lager nicht mehr ausreichten. Francesco Celestino vermag mit seinen Akteurinnen und Akteuren stets komplexe historische Themen dramaturgisch äußerst ansprechend und kurzweilig auf die Bühne zu bringen. Er unterstreicht hier die Verbindung von Geschichte, Literatur und Theater, was stets ein besonderer Anteil dieser Veranstaltungen ist! Dank gilt den Schauspielerinnen Janine Rosenbaum, Eva Pöppelmeyer, Lara Wienand und Ramona Calin (Klasse 9). 


Das zentrale musikalische Thema aus Spielbergs Film „Schindlers Liste“ (John Williams & Itzhak Perlman) wird eigentlich an der Violine gespielt. Caspar Stummer präsentierte dieses eindringliche Stück Musik- und Filmgeschichte am Klavier. Parallel präsentierte Aufnahmen von Auschwitz bedingten eine emotionale Schwere, die eindringlich das Leid der Ankommenden im Todeslager vor Augen führten. 


Als zu Beginn von Explizität gesprochen wurde, sollte dies mindestens ein Hinweis auf die Ausarbeitungen von Maya Beckmann, Mia und Lotte Kuck (alle Q1) sein, die sich mit den pseudo-wissenschaftlichen Experimenten und Menschenversuchen unter den Lagerärzten Josef Mengele und Claus Clauberg auseinandersetzten und feststellten, dass in Auschwitz die eigentlichen Wesensmerkmale von Medizin und Forschung (Hilfe, Heilung, Fürsorge; Verantwortung) in Schuld umgekehrt wurden; der Mensch als Objekt, dem Rassenwahn und egoistischen Streben der Ärzte nach einem Platz in der Wissenschaft ausgeliefert. Maya Beckmann präsentierte den Kern ihrer derzeit verfassten Facharbeit im Fach Geschichte. Sie fokussierte die Experimente an Frauen vor dem Hintergrund der (Zwangs-)Sterilisierungen. Die -tatsächlich- Zwillinge Mia und Lotte Kuck widmeten sich der Zwillingsforschung durch Mengele und ein besonderer Geschwisterumstand in Auschwitz ein Todesurteil bedeutete, und auch vor Kindern nicht Halt gemacht wurde! Die Ergebnisse der Schülerinnen, die allesamt 2023 Auschwitz mit der Schule besuchten, beeindruckten nachhaltig. Hoch anzurechnen ist den Schülerinnen hier auch der Mut, sich mit diesen grausamen Teilaspekten derart tiefgehend auseinanderzusetzen.  


Martin Andreas Dumitrescu referierte eindrucksvoll über Kinder in Auschwitz. Er zeigte auf, dass die Nationalsozialisten nicht einmal Kinder in ihrem Rassenwahn und der planmäßigen Tötung in Auschwitz verschonten. Im Gegenteil: In den meisten Fällen wurden sie als nicht arbeitsfähig klassifiziert, ein Todesurteil. Eindrucksvoll verwies Martin auf die Kindergedenkstätte Yad Vashem und Zeichnungen von Kindern, die Auschwitz er- und überlebten. 


Raja Mikloschs Klavierstück (Tschaikowsky: Der Begräbnis Puppe) rührte zutiefst; Raja, du hast Talent! Und, wie Du sagtest, Caspar nicht minder.  


Pauline Hirschhausen präsentierte eine beeindruckende Gegenwartsanalyse der trumpistischen USA, in der sie sachlich-analytisch die gegenwärtigen Entwicklungen in Politik und Gesellschaft unter Trump bewertete. Parallelen und Analogien zur deutschen Geschichte der 1930er und 40er Jahre drängten sich da vorschnell auf. Pauline jedoch führte den Diskurs differenziert und nicht vorschnell und konnte Parallelen sowohl bestätigen als auch widerlegen; vor allem waren Faschismus und Totalitarismus Richtschnüre ihrer Definitionen und Vergleiche. Die USA unter Trump unterlaufen als Demokratie einen beängstigenden Wandel (Übergriffe durch ICE z.B.), die auch uns zu Handeln und Kritik sowie Wachsamkeit anhalten müssen, so Pauline (Q1). 

Tom Vincent Mosch (diesmal leider erkrankt) hat ein Händchen für große Namen und Charaktere. So überzeugte Tom Vincent bei den letzten Veranstaltungen durch Verweise und die Würdigung Margot Friedländers und Thomas Manns. Tom Vincent widmete sich nach einer Würdigung Maximilian Kolbes, der sein Leben in Auschwitz für einen zum Tode verurteilten Mithäftling gab, Dietrich Bonhoeffer, der als kirchlicher Widerstandskämpfer ebenso sein Leben durch die Nationalsozialisten verlor. Tom initiierte, dankenswerterweise durch den Musiklehrer Herrn Eibach am Klavier realisiert, zum Abschluss der Veranstaltung Bonhoeffers „Von guten Mächten“, das die Gäste sangen.  

 

Ein bewegender Abschluss einer bewegenden Veranstaltung.  

 

Dank gilt allen beitragenden Schülerinnen und Schülern, die an unserer Schule einen besonderen Wirkungsbereich haben entstehen lassen. Weiterhin danken wir dem Klösterchen, Wilfried Hammers und seinen helfenden Händen, allen Gästen, d.h. Eltern, Kolleginnen und Kollegen, Mitgliedern der Bündnisse, allen Interessierten und der äußerst präsenten Stadtverwaltung, hier repräsentiert durch unseren Bürgermeister. Danke! 



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